Stacks Image 93
Nun wäre uns mithin noch übrig, sprach ich, die trefflichste Verfassung und den trefflichsten Mann durchzugehen, die Tyrannei und den Tyrannen. – Offenbar, sagte er. – Wohlan denn, lieber Freund, welches ist wohl die Art, wie die Tyrannei entsteht? Denn dass sie sich aus der Demokratie abändert, ist wohl fast offenbar! – Offenbar. – Entsteht nun etwa auf dieselbe Weise, wie aus der Oligarchie die Demokratie, auch aus der Demokratie die Tyrannei? – Wieso? – Was die Oligarchie sich als das größte Gut vorstreckte und wodurch sie auch zustandegekommen war, das war doch der große Reichtum. Nicht wahr? – Ja. – Die Unersättlichkeit im Reichtum aber und die Vernachlässigung alles übrigen um des Geldmachens willen gereichte ihr zum Untergang. – Richtig! sagte er. – Und die Demokratie, löst nicht auch diese sich auf durch die Unersättlichkeit in dem, was sie sich als ihr Gut vorsetzt? – Was meinst du aber, dass sie sich vorsetzt? – Die Freiheit, antwortete ich. Denn von dieser wirst du immer in einer demokratischen Stadt hören, dass sie das Vortrefflichste sei, und dass deshalb auch nur in einer solchen leben dürfte, wer von Natur frei sei. – Das Wort wird freilich gar oft gesagt. – Ist nun etwa nicht, was ich eben sagen wollte, die Unersättlichkeit hierhin mit Vernachlässigung alles übrigen, was auch diese Verfassung umgestaltet und sie dahin bringt, der Tyrannei zu bedürfen? […]

Platon (427 – 347 v. Chr.)

AKTUELL + INTERESSANT + ZUKUNFT

71.256